Römische Steinarchitekturen und Schumanns Poetische Welt: Zwei neue Projekte im Akademienprogramm

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published on 07. November 2022

Mit den beiden groĂŸangelegten digitalen Editionen: ›disiecta membra. Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland‹ und ›Robert Schumanns Poetische Welt‹ sind zwei neue Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz im gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramm bewilligt worden. Beide Projekte erweitern sowohl den digitalen als auch den musikwissenschaftlichen Schwerpunkt der Mainzer Akademie.

›disiecta membra. Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland‹
Die römische Steinarchitektur stellt einen einmaligen Schatz des kulturellen Erbes dar, der frĂ¼he Formen des urbanen Lebens in Deutschland bezeugt. Die römischen Städte und Bauten prägten vielerorts als Ruinen bis ins Hochmittelalter die Landschaft und waren daher stärker als andere antike Hinterlassenschaften im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Die Bauten wurden kontinuierlich umgenutzt oder auch als Steinbruch fĂ¼r neue anstehende Bauaufgaben verwendet, beispielsweise beim Bau neuer Stadtmauern. Die neuzeitlichen Schleifungen jener hochmittelalterlichen Stadtmauern wiederum fĂ¼hrten zu einer Wiederentdeckung der antiken Architekturglieder. Diese und andere Ăœberreste machen den GroĂŸteil der römischen Steinarchitektur in Deutschland aus, die bisher mehrheitlich noch nicht dokumentiert und ausgewertet wurden.

Bei dem Vorhaben sollen die rund 25.000 Bauglieder und 5.000 Baubefunde in einer dynamischen und vernetzten digitalen Edition erschlossen werden: Die erarbeiteten Daten werden modelliert, erfasst und frei zugänglich, verlink- und nachnutzbar gemacht. Sie liefern so einen niedrigschwelligen Zugang zu Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland, die aufgrund ihrer Bedeutung fĂ¼r unsere heutigen Vorstellungen von Urbanität von Ă¼bergeordnetem Interesse sind. FĂ¼r die Architektur- und Sozialgeschichte, fĂ¼r die Bau- und Stadtforschung, fĂ¼r die Provenienz-und Netzwerkforschung wird weit verstreutes Quellenmaterial digital zusammengefĂ¼hrt und erschlossen.

Das Vorhaben ist auf 24 Jahre angelegt, mit einem jährlichen Volumen von rund 395.000 €. Die Arbeitsstellen haben ihren Sitz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt am Main und der Philipps-Universität Marburg. Die Leitung des Projektes liegt bei Prof. Dr. Johannes Lipps, Dr. Kerstin P. Hoffmann und Prof. Dr. Aline Deicke.

Robert Schumanns Poetische Welt (RSPW). Drama – Oratorium – Vokalsymphonik – Literarisches Werk. Historisch-kritische Hybrid-Ausgabe
Das literarische sowie das musikalische Å’uvre von Robert Schumann stehen im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts fĂ¼r den musikästhetischen Diskurs, aber auch fĂ¼r die kompositorische Gegenwart. Kein anderer dichterisch wie musikalisch versierter KĂ¼nstler verfolgte sein Konzept von Musik und Sprache in den Ausprägungen von Oper, Oratorium und neuen vokalsymphonischen Genres derart zielstrebig und vernetzt. Bis zuletzt reflektiert er seine Kompositionen in dichterischen und musikschriftstellerischen Arbeiten und im steten Austausch mit KĂ¼nstlern seiner Zeit.

Das Projekt rekonstruiert erstmalig vollständig das poetische Werk Schumanns in einer historisch-kritischen Edition, die den zentralen Bestand an Schriften, Dichtungen und Vokalkompositionen erschlieĂŸt. Die Darstellung der publizistischen Arbeiten, der poetischen Werke, darunter Libretti, und der Kritischen Berichte (inkl. der Entstehungsgeschichte) wird auf einer Open-access-Plattform (›Robert Schumann-digital‹) geleistet, diejenige der musikalischen Werke in gedruckten Notenbänden. Erarbeitet werden sollen 22 Notenbände im Umfang von Ă¼ber 6.000 Seiten sowie die digitale Edition des dichterischen und schriftstellerischen Å’uvres von Schumann im Umfang von rund 3.000 handschriftlichen Seiten und insgesamt etwa 6.000 (Original-)Druckseiten literarischer Publikationen. Dabei wird die editorisch-philologische GrundlagenerschlieĂŸung mit einem interdisziplinären Ansatz zwischen Musik- und Literaturwissenschaft sowie den Digital Humanities (Digitale Edition) verbunden. 

Wechselseitig aufeinander bezogen, eröffnen diese Editionen des streng begrenzten Korpus an Kompositionen sowie der mit ihnen verbundenen dichterischen Texte und schlieĂŸlich der mit diesen beiden in Beziehung stehenden Ă¤sthetischen Reflexionen in den Schriften und weiteren Dichtungen erstmals einen vernetzten Zugang zu einem Werkausschnitt Schumanns, welcher der lange Ă¼berfälligen Neubewertung harrt.

Das Projekt, das in Kooperation mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, MĂ¼nchen, und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig durchgefĂ¼hrt wird, ist auf eine Laufzeit von 24 Jahren angelegt, mit einem jährlichen Volumen von rund 405.000 €. Die Arbeitsstellen sind an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, der Julius-Maximilian-Universität WĂ¼rzburg und dem Freien Deutschen Hochstift Frankfurt am Main angesiedelt. Die Leitung des Projekts liegt bei Prof. Dr. Ulrich Konrad, Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt und Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken.

Pressemitteilung

 

Abb.: Akademienunion