Tamara Štajner, Mitglied der Jungen Akademie, belegt den 1. Platz beim Meraner Lyrikpreis 2024

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published on 03. June 2024

Der Hauptpreis beim diesjährigen Lyrikfestival Meran geht an eine Doppekünstlerin: Tamara Štajner dichtet nicht nur, sie ist auch Bratschistin.

Die 1987 im slowenischen Novo Mesto geborene Wahlwienerin ­Tamara Štajner brachte pfeifend und flüsternd meteorologische und ge­schichtliche Phänomene ihrer Heimat hierher. Aufgeteilt in Mutter- und Vater­linie spürt die Bratschistin, die 2023 mit »Raupenfell« (erschienen im Verlag Das Wunderhorn) als Romanautorin debütierte, sowohl den Punkten und Muttermalen nach, die sich genealogisch durchsetzen, als auch weniger lieblichen Archipelen Jugoslawiens wie »titos hawaii«, der Gefängnisinsel Goli otok.

Tamara Štajners berückender poetisch-musikalischer Vortrag machte mit seiner performativen Kraft hörbar Eindruck im Saal, auch der Jury des Lyrikpreises Meran, die ihr ebendiesen verlieh, dotiert mit achttausend Euro und gestiftet von der Südtiroler Landesregierung. Indem Štajners Zyklus »balkan ultra« alle Mittel der Sprache »virtuos nutzt, erzeugt er innerhalb der historischen Tiefenschichten größte Sinnlichkeit und Klarheit«, heißt es in der Begründung. Aus 256 anonymisierten Einsendungen waren 35 in die engere Wahl gekommen, von denen wiederum neun Finalisten eingeladen wurden.

Tamara Stajner lebt seit 2006 in Wien, wo sie auch ihr Master-Studium im Konzertfach Viola an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) abschloss. Derzeit promoviert sie in Musiktheorie. Sie war Gastdozentin u.a. an der MUK Wien, KU Graz sowie dem Williams College (USA). Sie erhielt START-Stipendien für Musik und darstellende Kunst (2015) sowie für Literatur (2020) des BMKÖS. 2022 war sie Stipendiatin des 25. Klagenfurter Literaturkurses.

Aktuell ist sie für den Bachmann-Preis nominiert.

Foto: Tamara Stajner © Andrej Grilc