Drei neue Veröffentlichungen aus den Reihen der Akademie

Aktuelles

veröffentlicht am 19. Januar 2026

Von Prof. Dr. Albrecht Riethmüller, Mitglied der Geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse, ist kürzlich die Studie „Musik und Ideologie“ erschienen. Zudem gab das Akademie-Projekt „Hans Kelsen Werke“ den 10. Band der Gesamtausgabe des österreichischen Rechtstheoretikers heraus. Drittens wurde der Band „Schriftsteller und ihre Erkrankungen“ von Petra Plättner, der ehemaligen Referentin der Klasse der Literatur und der Musik, mitherausgegeben.


Albrecht Riethmüller: Musik und Ideologie. Studien zur Geschichte ästhetischer Erfahrung in Deutschland

Beim Thema Musik und Ideologie mag man vielleicht daran denken, wie Komponisten ihr Medium dazu nutzen, weltanschauliche Positionen zum Ausdruck zu bringen. Die in diesem Buch versammelten Beiträge handeln indessen nicht von der Musik als Weltanschauung, sondern von ihr als ideologisiertem Gegenstand. Denn wenn schon Kunst im Allgemeinen ideologisch befrachtet werden kann, dann erst recht die wort- und bildlose, unartikulierte Musik, der sich so leicht alles Mögliche andichten lässt. Das Buch soll dazu beitragen, sich gegen dogmatische Behauptungen und fundamentalistische Überzeugungen zu immunisieren, wo immer sie bei der Anschauung von Musik begegnen.

Die Untersuchungen sind zeitlich und örtlich eng begrenzt und auf einen drastischen Fall beschränkt, nämlich auf die Musikkultur in Deutschland mit dem früheren 20. Jahrhundert und der Zeit des Nationalsozialismus als Gravitationszentren. Die Texte sind seit 1980 entstanden. Einige von ihnen gehören zu den ersten, in denen die akademische Musikwissenschaft sich mit dem Dritten Reich beschäftigt hat.

Bibliographische Angaben:
Albrecht Riethmüller: Musik und Ideologie. Studien zur Geschichte ästhetischer Erfahrung in Deutschland, Spektrum der Musik 11, Laaber-Verlag Lilienthal, 377 Seiten, Kart., 58 Euro,
ISBN: 978-3-89007-446-7


Hans Kelsen Werke Band 10: Veröffentlichte Schriften 1923 mit einem Nachtrag zu 1919. Herausgegeben von Matthias Jestaedt und dem Hans Kelsen-Institut

Band 10 der HKW umfasst drei Beiträge aus dem Jahr 1923 und einen erst jüngst entdeckten Nachruf Kelsens auf seinen Lehrer Edmund Bernatzik aus dem Jahr 1919. Unter den drei 1923er-Schriften finden sich zwei Monografien, die - neben der Konsolidierung der Reinen Rechtslehre - Kelsens wissenschaftliche Hauptinteressen jener Jahre widerspiegeln: Mit der Zweitauflage von „Sozialismus und Staat“ setzt Kelsen die Reihe von Publikationen gegen die seinerzeit wirkmächtigen Strömungen des (Austro-)Marxismus und Leninismus fort; die - von Carlos Miguel Herrera, Paris, eingeleitete - Monografie darf als die profundeste zeitgenössische Kritik gelten. Und mit dem „Österreichischen Staatsrecht“ - mit einer Einleitung von Clemens Jabloner, Wien - präsentiert Kelsen die erste wissenschaftliche Gesamtdarstellung des Verfassungsrechts der Ersten Republik und festigt damit neben seiner Rolle als Verfassungsarchitekt seine Stellung als bedeutendster Chronist und Mittler des neuen Verfassungsrechts.

Bibliographische Angaben:
Hans Kelsen Werke Band 10: Veröffentlichte Schriften 1923 mit einem Nachtrag zu 1919, Herausgegeben von Matthias Jestaedt und dem Hans Kelsen-Institut, Verlag Mohr Siebeck, 784 Seiten, Leinen, 214 Euro, ISBN: 978-3-16-150787-8


Schriftsteller und ihre Erkrankungen. „Allerlei Siecherei und nicht gelinde Panik“. Herausgegeben von Theodor Junginger, Petra Plättner und Monika Seibert-Grafe

Prominente Persönlichkeiten prägen ihre Zeit, ihr Wirken bleibt in Erinnerung, mit ihren Werken sind sie gegenwärtig. Weniger bekannt sind die Lebensumstände und Krankheiten, die das Schaffen behinderten oder auch beflügelten. Dies war Anlass für das vorliegende interdisziplinäre Buch. Ausgewiesene Literaturwissenschaftler geben einen Überblick über Leben und Werk berühmter Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts. Mediziner zeichnen anhand von autobiografischen Notizen, Briefen und Krankenunterlagen die zeitlebens aufgetretenen Erkrankungen nach, ergänzt um einen Kommentar, der die Beschwerden diagnostisch einordnet, unterschiedliche Interpretationen diskutiert und die heutigen Behandlungsmöglichkeiten andeutet.

Es sind medizinhistorische Schlaglichter, die einerseits den aufkommenden Fortschritt der Medizin im 20. Jahrhundert erkennen lassen, wie bei der Krebserkrankung von Thomas Mann, andererseits auch die Ohnmacht der damaligen Medizin bezeugen bei Krankheitsbildern, die mittlerweile heilbar, zumindest beeinflussbar sind, aber auch den unheilvollen Verlauf von Suchterkrankungen darstellen, die nach wie vor nicht heilbar sind.

Daneben zeigt das Buch den Einfluss von gesellschaftlichen Normen, von Politik, Diktatur und Krieg auf das Schicksal von Schriftstellern und stellt die verschiedenen Wege vor, die gewählt wurden, um Verfolgung und Tod zu entkommen.

Zu jedem Schriftsteller gibt es jeweils ein Kapitel „Leben und Werk“ sowie „Erkrankungen“ und eine zusammenfassende chronologische Darstellung. Dadurch wird der Blick auf die ausgewählten Schriftsteller, aber auch die Medizin vertieft und erweitert.

Bibliographische Angaben:
Schriftsteller und ihre Erkrankungen. „Allerlei Siecherei und nicht gelinde Panik“, Herausgegeben von Theodor Junginger, Petra Plättner und Monika Seibert-Grafe, Springer Verlag, 524 Seiten, Softcover, 22,99 Euro, ISBN: 978-3-662-71464-5