Projektvorstellung am 18.5.2021

Als »ragenden Gipfel in einer unwegsamen Hochgebirgslandschaft, von vielen Seiten hartnäckig bestürmt, von keiner bislang wirklich bezwungen«, so charakterisierte Hubert Mordek das Dekret des Bischofs Burchard von Worms. Es gilt als eine der einflussreichsten kirchenrechtlichen Sammlungen des 11. und 12. Jahrhunderts. Das 20 Bücher umfassende Werk war aktuell und praxisbezogen, was auch seine Verbreitung in über 80 Handschriften erklärt. Eine modernen Ansprüchen genügende Edition des Werkes galt bislang als kaum zu bewältigende Aufgabe.

Mit Hilfe digitaler Techniken nimmt das von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz geförderte Projekt Burchards Dekret Digital mit Arbeitsstellen an den Universitäten Erlangen, Kassel und Mainz sowie zahlreichen Kooperationspartnern diese Aufgabe seit 2020 in Angriff. Zugleich analysiert das auf eine Laufzeit von 18 Jahren angelegte Projekt multiperspektivisch Quellen, Redaktion, Rezeption und kulturgeschichtlicher Bedeutung des Werks des Wormser Bischofs.

Am 18.05.2021 um 18:30 bis ca. 19:30 Uhr bietet das Projektteam einen Einblick in die aktuelle Arbeit. Die Veranstaltung wird online abgehalten, um Anmeldung bis zum 16.05.2021 unter uni-kassel.zoom.us/meeting/register/tJ0of-uoqDwrG9MXjkukTQfZky1ArBhMAWE3 wird gebeten.

Programm:

Begrüßung und Vorstellung des Projektes
Prof. Dr. Ludger Körntgen

The Need for a Burchard Edition
Prof. Dr. Greta Austin

Möglichkeiten, Vorteile und Probleme klassischer und digitaler Editionen
Prof. Dr. Klaus Herbers

Blick in die aktuelle Arbeit:

Moderation: Prof. Dr. Ingrid Baumgärtner

Die Frankfurter Handschrift als Editionsgrundlage
Dr. Cornelia Scherer

Erkenntnismöglichkeiten aus der Quellenanalyse
Prof. Dr. Lotte Kéry

Buch XIX – Bußpraxis und ihre Quellen
Helena Geitz M.A.

Praktische Erfahrungen mit der digitalen Transkription
Daniel Gneckow M.A.

Die digitale Edition – Potential und Umsetzung
Michael Schonhardt M.A.

Das Projektteam freut sich auf zahlreiche interessierte Teilnehmende.

Buchpräsentation Mantik und Recht

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Am 19.1.2021 wurde der Sammelband „Mittelalterliche Rechtstexte und mantische Praktiken“ zusammen mit dem Handbuch ›Prognostication in the Medieval World‹ (https://www.degruyter.com/view/title/522832) vorgestellt. Nach einer Begrüßung durch Klaus Herbers folgten zwei Grußworte der Verlage: Robert Forke sprach im Namen des Verlags (DeGruyter) und Kristin Doepner für den Böhlau-Verlag. Agostino Paravicini Bagliani stellte das zweibändige Handbuch zur Prognostik vor, wobei er besonders die breite Perspekitve der Beiträge, die nicht nur das westliche Christentum und sein verhälntis zur Mantik und Prognostik untersuchen, sondern auch byzantinische, islamische und jüdische Haltungen dazu in den Blick nehmen. Ingrid Baumgärtner stellte den Band ›Mittelalterliche Rechtstexte und mantische Praktiken‹ vor, der die Dynamik des Kirchenrechts eindrücklich aufzeigt. Ein Schwerpunkt des Akadmie-Projekts ›Burchards Dekret Digital‹, von dessen Mitgliedern die meisten Beiträge stammen. Die Dankesworten von Dr. Hans-Christian Lehner beschlossen die gelungene Veranstaltung

Neuerscheinung: Mittelalterliche Rechtstexte und mantische Praktiken

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Klaus Herbers, Hans-Christian Lehner (Hg.) Mittelalterliche Rechtstexte und mantische Praktiken (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte 94), Köln, Weimar, Wien, Böhlau Verlag 2021; ISBN: 9783412520496

Prognostik, Divination, Mantik und Wahrsagerei sind im mittelalterlichen Recht vielfach gegenwärtig. Doch rechtfertigt die Gegenwart dieser Thematik in den Rechtsquellen einen Rückschluss auf die Praxis? Reagierten die einzelnen Texte tatsächlich auf jeweils zeitgenössische Praktiken oder wurde vielleicht nur älteres Traditionsgut aus rechtssystematischen Gründen immer wieder fortgeschrieben? Von der Beantwortung dieser Frage hängt auch ab, welchen Stellenwert die prognostischen Praktiken in der Lebenswelt besaßen. In diesem Band analysieren ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – unter ihnen auch die Mitarbeiter des Projektes Burchards Dekret Digital – nicht nur, in welcher Varianz und in welcher Kontinuität die Thematik der Prognostik in Rechtstexten des frühen und hohen Mittelalters erscheint, sondern fragen auch nach Überlieferung und Sitz im Leben. Natürlich ist auch das Dekret Burchards von Worms unter den untersuchten Sammlungen

Neuerscheinung: Birgit Kynast, Tradition und Innovation im kirchlichen Recht: Das Bußbuch im Dekret des Bischofs Burchard von Worms

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Birgit Kynast, Tradition und Innovation im kirchlichen Recht. Das Bußbuch im Dekret des Bischofs Burchard von Worms, Ostfildern, Jan Thorbecke Verlag, 2020. ISBN: 978-3-7995-6090-0.

Die Dissertation von Birgit Kynast über das 19. Buch des Dekrets des Bischofs Burchard von Worms (1000–1025) ist nun als Buch erhältlich. Die Studie zeigt, dass bereits ein Jahrhundert vor dem Dekret des Magisters Gratian und Jahrzehnte vor dem Aufkommen der Frühscholastik ein differenzierter und reflektierter Umgang mit der kirchenrechtlichen Tradition möglich war. In ihrer Arbeit eruiert und analysiert Birgit Kynast die spezifischen Methoden, derer sich Burchard speziell bei der Kompilation des Bußfrageteils im 19. Buch seiner Sammlung bediente: Dieser Teil des Dekrets verbindet Tradition und Innovation des kirchlichen Rechts im Hinblick auf das Instrument der Buße. Mit dem Dekret und im Besonderen mit seinem Frageteil versuchte Burchard das tradierte kirchliche Recht anwendbar zu machen. Die Ergebnisse werden in die Projektarbeit einfließen und einzelne Aspekte vertieft untersucht und weitergeführt werden.