Römische Steinarchitekturen und Schumanns Poetische Welt: Zwei neue Projekte im Akademienprogramm

Abb.: Akademienunion

Mit den beiden großangelegten digitalen Editionen: ›disiecta membra. Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland‹ und ›Robert Schumanns Poetische Welt‹ sind zwei neue Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz im gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramm bewilligt worden. Beide Projekte erweitern sowohl den digitalen als auch den musikwissenschaftlichen Schwerpunkt der Mainzer Akademie.

›disiecta membra. Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland‹
Die römische Steinarchitektur stellt einen einmaligen Schatz des kulturellen Erbes dar, der frühe Formen des urbanen Lebens in Deutschland bezeugt. Die römischen Städte und Bauten prägten vielerorts als Ruinen bis ins Hochmittelalter die Landschaft und waren daher stärker als andere antike Hinterlassenschaften im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Die Bauten wurden kontinuierlich umgenutzt oder auch als Steinbruch für neue anstehende Bauaufgaben verwendet, beispielsweise beim Bau neuer Stadtmauern. Die neuzeitlichen Schleifungen jener hochmittelalterlichen Stadtmauern wiederum führten zu einer Wiederentdeckung der antiken Architekturglieder. Diese und andere Überreste machen den Großteil der römischen Steinarchitektur in Deutschland aus, die bisher mehrheitlich noch nicht dokumentiert und ausgewertet wurden.

Bei dem Vorhaben sollen die rund 25.000 Bauglieder und 5.000 Baubefunde in einer dynamischen und vernetzten digitalen Edition erschlossen werden: Die erarbeiteten Daten werden modelliert, erfasst und frei zugänglich, verlink- und nachnutzbar gemacht. Sie liefern so einen niedrigschwelligen Zugang zu Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland, die aufgrund ihrer Bedeutung für unsere heutigen Vorstellungen von Urbanität von übergeordnetem Interesse sind. Für die Architektur- und Sozialgeschichte, für die Bau- und Stadtforschung, für die Provenienz-und Netzwerkforschung wird weit verstreutes Quellenmaterial digital zusammengeführt und erschlossen.

Das Vorhaben ist auf 24 Jahre angelegt, mit einem jährlichen Volumen von rund 395.000 €. Die Arbeitsstellen haben ihren Sitz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt am Main und der Philipps-Universität Marburg. Die Leitung des Projektes liegt bei Prof. Dr. Johannes Lipps, Dr. Kerstin P. Hoffmann und Prof. Dr. Aline Deicke.

Robert Schumanns Poetische Welt (RSPW). Drama – Oratorium – Vokalsymphonik – Literarisches Werk. Historisch-kritische Hybrid-Ausgabe
Das literarische sowie das musikalische Œuvre von Robert Schumann stehen im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts für den musikästhetischen Diskurs, aber auch für die kompositorische Gegenwart. Kein anderer dichterisch wie musikalisch versierter Künstler verfolgte sein Konzept von Musik und Sprache in den Ausprägungen von Oper, Oratorium und neuen vokalsymphonischen Genres derart zielstrebig und vernetzt. Bis zuletzt reflektiert er seine Kompositionen in dichterischen und musikschriftstellerischen Arbeiten und im steten Austausch mit Künstlern seiner Zeit.

Das Projekt rekonstruiert erstmalig vollständig das poetische Werk Schumanns in einer historisch-kritischen Edition, die den zentralen Bestand an Schriften, Dichtungen und Vokalkompositionen erschließt. Die Darstellung der publizistischen Arbeiten, der poetischen Werke, darunter Libretti, und der Kritischen Berichte (inkl. der Entstehungsgeschichte) wird auf einer Open-access-Plattform (›Robert Schumann-digital‹) geleistet, diejenige der musikalischen Werke in gedruckten Notenbänden. Erarbeitet werden sollen 22 Notenbände im Umfang von über 6.000 Seiten sowie die digitale Edition des dichterischen und schriftstellerischen Œuvres von Schumann im Umfang von rund 3.000 handschriftlichen Seiten und insgesamt etwa 6.000 (Original-)Druckseiten literarischer Publikationen. Dabei wird die editorisch-philologische Grundlagenerschließung mit einem interdisziplinären Ansatz zwischen Musik- und Literaturwissenschaft sowie den Digital Humanities (Digitale Edition) verbunden. 

Wechselseitig aufeinander bezogen, eröffnen diese Editionen des streng begrenzten Korpus an Kompositionen sowie der mit ihnen verbundenen dichterischen Texte und schließlich der mit diesen beiden in Beziehung stehenden ästhetischen Reflexionen in den Schriften und weiteren Dichtungen erstmals einen vernetzten Zugang zu einem Werkausschnitt Schumanns, welcher der lange überfälligen Neubewertung harrt.

Das Projekt, das in Kooperation mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig durchgeführt wird, ist auf eine Laufzeit von 24 Jahren angelegt, mit einem jährlichen Volumen von rund 405.000 €. Die Arbeitsstellen sind an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, der Julius-Maximilian-Universität Würzburg und dem Freien Deutschen Hochstift Frankfurt am Main angesiedelt. Die Leitung des Projekts liegt bei Prof. Dr. Ulrich Konrad, Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt und Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken.

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