»Gluck-Stadt Mainz«

Foto: Ernst-Dieter Hehl

»Gluck-Stadt Mainz«, so titelte die Allgemeine Zeitung am 9. Juli 2024. Am Wochenende des 5. bis 7. Juli 2024 fand in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur eine kleine Serie von Veranstaltungen statt, die in der halbszenischen Aufführung der Festoper »Le nozze dʼErcole e dʼEbe« von Christoph Willibald Gluck gipfelte – als erste Wiederaufführung der italienischen Originalfassung nach fast 280 Jahren.

Zentraler Anlass war der Abschluss des Vorhabens »Christoph Willibald Gluck – Sämtliche Werke« (GGA): Im kommenden Jahr wird das gesamte überlieferte Œuvre des berühmten Opernreformers nach 44-jähriger Förderung im Rahmen des Akademienprogramms des Bundes und der Länder in insgesamt 59 Bänden des Bärenreiter-Verlags, Kassel, vorliegen, ergänzt um ein Werk- und Quellenverzeichnis sowie einen Band mit Briefen und Dokumenten.

Die Genese dieses großen Editionsvorhabens, das zuletzt von Dr. Tanja Gölz und Prof. Dr. Klaus Pietschmann geleitet wurde, zeichneten am 6. Juli 2024 langjährig Beteiligte in Vorträgen nach und ordneten es in die internationale Forschungslandschaft ein.

Am Abend folgte dann die moderne Wiederaufführung von Glucks Oper »Le nozze d’Ercole e d’Ebe«, auf Grundlage der 2009 innerhalb der GGA erschienenen Edition von Tanja Gölz. Das Auftragswerk für den Dresdner Hof wurde 1747 in Schloss Pillnitz uraufgeführt und steht in vieler Hinsicht exemplarisch für Glucks frühes Schaffen, das von der italienischen Opera seria geprägt war und ihn in viele europäische Opernzentren führte. Die erneute Darbietung der Hochzeitsoper in barockem Gewand lockte gut 150 Interessierte in den somit vollbesetzten Plenarsaal der Mainzer Akademie.
Für die musikalische Leitung konnte der Genter Cembalist und Dirigent Florian Heyerick, ein Experte für historische Aufführungspraxis, mit seiner ›Mannheimer Hofkapelle‹ gewonnen werden. Die szenische Einstudierung lag in den Händen von Sigrid TʼHooft, einer der erfahrensten und international gefragtesten Regisseurinnen für die historische Inszenierung von Barockopern. Für die Ausstattung und die stilgerechten Kostüme war Nils Badenhop verantwortlich.

Ein besonderer Höhepunkt war die zweite Aufführung am Sonntagnachmittag im Garten der Akademie: eine Freiluftaufführung im Schatten der Bäume wie einst im Pillnitzer Schlosspark.

Mitverantwortlich für diese Akzentsetzung ist das interdisziplinäre DFG-Projekt »Garten und Musiktheater am Dresdner Hof des 17. und 18. Jahrhunderts«, am Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft an der Universität Mainz beheimatet – und so stellt der Leiter der Abteilung Musikwissenschaft, Prof. Dr. Klaus Pietschmann, den idealen personellen Bogenschlag zur Gluck-Gesamtausgabe her, ist Pietschmann doch seit 2012 Vorsitzender des Herausgebergremiums der GGA und bildet seit 2020 gemeinsam mit Dr. Tanja Gölz die Editionsleitung des Vorhabens.

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