SYMPTOME - Hans Dieter Schäfer

OBERER WÖHRD

Endlich sind alle Fenster des Teepavillons verglast,
lange hüllten ihn Abdeckfolien ein, so daß
Feuchtigkeit
                   zweihundert Jahre alte Malereien mit
Chinesinnen unter Sonnenschirm und Hunden
vor einer
              Pagode von den Wänden löste; man sieht
Mulden für die Kanäle, laubverfüllt – hier
fuhren in
              Sommernächten Gondeln zur Donau unter
einem Feuerwerk fallender Sterne, das die
Fassade der Villa
                         weiß aufglänzen ließ; am Ufer wie
eine Statue aus dieser Zeit ein Reiher – nach
unbeholfenem
                      Waten öffnet er die Flügel, um
am Saum der Pappeln Richtung Staustufe zu gleiten.

Hans Dieter Schäfer (seit 2002 Mitglied der Klasse der Literatur und der Musik)

© Hans Dieter Schäfer

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