Projektbeschreibung

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Fotografie 1867 (Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth)

Richard Wagner (1813–1883) war zeitlebens nicht nur als Komponist produktiv, sondern hat sich außerdem einerseits dichterisch betätigt als Verfasser von Dramentexten für eigene musiktheatrale Werke, andererseits publizistisch als Kommentator seines musikalischen Schaffens sowie des damaligen Geschehens in Kunst, Geschichte, Philosophie, Religion, Politik und Gesellschaft. Das innerhalb eines halben Jahrhunderts entstandene Œuvre an – in Wagners Terminologie – »Dichtungen« und »Schriften« gehört als integraler Bestandteil zum Gesamtwerk des Künstlers und ist als solches sowohl in Quantität als auch hinsichtlich der inhaltlichen Breite singulär. Es ist zugleich ein herausragendes geistes- und kulturgeschichtliches Zeugnis des 19. Jahrhunderts.

Den lange schon gehegten Plan, seine schriftstellerischen Arbeiten in gebündelter Form zu präsentieren, realisierte Wagner Anfang der 1870er Jahre: Unter dem Titel »Gesammelte Schriften und Dichtungen« brachte er eine Auswahl von über die Jahrzehnte verstreut publizierten, in Funktion, Inhalt und Anspruch sehr verschiedenartigen Texten heraus, die er nun für die Sammelausgabe redigierte oder überarbeitete. Diese von Wagner veranstaltete Ausgabe bildete den Ausgangspunkt der Rezeption seines schriftstellerischen Denkens und lag zahlreichen nach seinem Tod herausgegebenen Veröffentlichungem zugrunde. 

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Richard Wagner: »Oper und Drama«, Autograph (Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth)

Gegenstand des Editionsvorhabens ist das 230 Titel enthaltende Corpus an Schriften Wagners mit insgesamt etwa 4000 Seiten Umfang. Ziel ist die wissenschaftliche Erschließung der Texte sowie deren vollständige Edition und Kommentierung. Verlässliche Grundlage für das Unternehmen bildet das jüngst erarbeitete Wagner-Schriften-Verzeichnis (WSV), das erstmals alle überlieferten Quellen zur Entstehung und Veröffentlichung der Schriften erfasst und beschreibt. Die historisch-kritische Ausgabe folgt den aktuellen editionswissenschaftlichen Standards – nicht zuletzt der Computerphilologie. Sie nutzt als sogenannte Hybridedition neben dem Druckmedium alle sinnvollen Möglichkeiten der digitalen Texterfassung, -verarbeitung und -darbietung.

Das Vorhaben ist in acht Module gegliedert. Jedes Modul wird einen oder zwei »Lesebände« sowie einen Kommentarband umfassen. Die elektronische Edition bietet darüber hinaus den textkritischen Apparat, ferner Text- und Bildmaterialien als Ergänzung zum Kommentar.