Projektbeschreibung

Durch die Verknüpfung zweier neuer, wechselseitig aufeinander bezogener Forschungsansätze – der Genetischen Textkritik und der Digitalen Edition – soll die hochkomplexe Dynamik kompositorischer Prozesse im Œuvre Beethovens, für deren Untersuchung die Quellenüberlieferung und -erschließung ideale Voraussetzungen bieten, in neuartiger Weise erforscht, dokumentiert und in exemplarischen digitalen Editionen wiedergegeben werden. Mit dem Vorhaben wird ein zentraler Gegenstand musikwissenschaftlicher Forschung multiperspektivisch fokussiert, um ein differenziertes und zugleich kritisch zu reflektierendes Bild der medial sichtbar zu machenden Textbewegungen zu gewinnen. Die zu erwartenden Erkenntnisse sind für die Beurteilung der gesamten, sich wesentlich auf Beethoven berufenden Kompositionsgeschichte und Ästhetik des 19. und 20. Jahrhunderts von Bedeutung.

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L. van Beethoven: Streichquartett op. 59 Nr. 3, II. Satz, Andante con moto quasi Allegretto, T. 32 – 37 (Beethoven­Haus, Bonn; BH 62)

Das Forschungsvorhaben, das mit den beiden Forschungsansätzen zwei spezialisierte Institutionen in einer engen Kooperation verbindet, versteht sich als Beitrag zur musikwissenschaftlichen Grundlagenforschung und ist zugleich darauf ausgerichtet, Konzepte und Lösungen im Bereich der Digital Humanities an der Schnittstelle von Musikwissenschaft und Angewandter Informatik zu entwickeln.

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L. van Beethoven: Streichquartett op. 59 Nr. 3, II. Satz, Andante con moto quasi Allegretto, T. 48 – 50 (Beethoven­Haus, Bonn; BH 62), mit einem Ausschnitt der MEI-Codierung der entsprechenden Stelle.

Inhaltlicher Umfang des Vorhabens: Digitale Editionen in 5 Modulen wachsender Komplexität (1. Variantensystematik, 2. Bearbeitungen, 3. Korrekturprozesse in Druckausgaben, 4. Skizzenbuchedition, 5. Dreifach-Edition der Diabelli-Variationen) inklusive jeweiliger Modul-Dokumentationen. Bearbeitet werden in den drei ersten Modulen etwa 20 repräsentative Werke Beethovens aus den Bereichen Orchester-, Kammer-, Klavier- und Vokalmusik. Dabei entstehen sowohl sehr umfangreiche (Modul 3) als auch sehr tief erschlossene (Modul 2) Ausgaben. In den Modulen 4 und 5 wird eine umfassende digitale Edition eines vollständigen Skizzenbuchs sowie eine sämtliche Quellen und Textbewegungen mit unterschiedlichen Editionsansätzen dokumentierende Modell-Edition der Diabelli-Variationen vorgelegt. Die im Rahmen der Module entwickelten digitalen Werkzeuge werden dem Fach kostenfrei als Open Source zur weiteren Nutzung zur Verfügung gestellt.