Vortrag anlässlich des 150. Geburtstages von Walther Rathenau in der Akademie

Walther Rathenau, 1921. © Bundesarchiv, Bild 183-L40010 / CC-BY-SA 3.0 http://bit.ly/1c11Dr7 (keine Änderung vorgenommen)

Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur lädt am Freitag, den 29. September um 18 Uhr anlässlich des 150. Geburtstages von Walther Rathenau zu einem Vortrag von Wilhelm von Sternburg ein. Moderiert wird der Abend von Hans Berkessel.

Walther Rathenau, Industrieller, Schriftsteller und Politiker, wurde vor 150 Jahren, am 29. September 1867, in Berlin geboren. Der kunstsinnige und musisch begabte Rathenau stammte aus gutbürgerlichem jüdischem Elternhaus: Seine Mutter Mathilde war die Tochter eines jüdischen Bankiers, in Mainz geboren und in Frankfurt aufgewachsen; sein Vater Emil – ein Cousin von Max Liebermann – gründete die AEG. Seit 1899 war auch der älteste Sohn Walther für die AEG tätig, zuletzt als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Für seinen Freund Harry Graf Kessler, den Chronisten jener Epoche, gehörte er zu den dreihundert Männern, die die »wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents lenken«. In seinen Schriften, die er u.a. in Maximilian Hardens Zeitschrift ›Die Zukunft‹ veröffentlicht, tritt er für eine menschen würdige Sozialpolitik ein und setzt sich mit dem modernen Judentum auseinander.

Zu Beginn des ersten Weltkriegs organisiert er bis 1915 die deutsche Kriegswirtschaft für das preußische Kriegsministerium. Nach dem Krieg wirkt er am Wiederauf bau mit und verhandelte zunächst als Reichsminister für Wiederauf bau die Herabsetzungen der Deutschen Reparationszahlungen in Cannes und später, nun als Außenminister, in Rapallo die Annäherungen an Russland. Seine Ermordung durch rechtsradikale Offiziere am 24. Juni 1922 erschüttert das Land. Seine Mutter, schwer getroffen, beauftragt Harry Graf Kessler mit der ersten Biographie, die 1927 erscheint und in der er Rathenau mit allen Widersprüchen ein erstes Denkmal setzt: »Er präsentierte sein Weltbild der Menschheit nicht als großer Intellektueller, der von Beweis zu Beweis, von Statistik zu Statistik, von Erfindung zu Erfindung eilt, sondern als Künstler, der das Ganze mit einem Ruck, eben als Ganzes, als Abbild einer einmaligen inneren Vision hinausstellt.«

Wilhelm von Sternburg war über 30 Jahre lang als Journalist tätig, seit 1993 freier Schriftsteller und Filmautor. Autor zahlreicher Biographien, darunter Feuchtwanger, Arnold Zweig, Erich Maria Remarque, Joseph Roth und Anna Seghers.

Die Veranstaltung des Instituts für Geschichtliche Landeskunde der Universität Mainz e.V. (IGL) und des Verbands der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. findet in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz statt.

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