Lesung mit Christian Lehnert und Symposium zur Biodiversität im Rahmen der Akademiesitzung

Foto: Christian Lehnert.
Abb.: Weißnackenkolibri (Florisuga mellivora), Kolumbien © Ricardo Meissner.
Abb.: Weißnackenkolibri (Florisuga mellivora), Kolumbien © Ricardo Meissner.

Im Rahmen der Februarsitzung lädt die Akademie neben einer Lesung mit Christian Lehnert zu dem Symposium ›Biodiversität: Herausforderung und Chance für Politik und Gesellschaft‹ sowie öffentlichen Plenarvorträgen ein.

Zum Auftakt liest Christian Lehnert am Donnerstag, 16. Februar 2017 um 19 Uhr im Plenarsaal der Akademie aus ›Der Gott in einer Nuß‹ sowie neue Gedichte.

Kyrie, Gloria, Glaubensbekenntnis, Abendmahl... Christian Lehnert nähert sich als Dichter den fest stehenden Formen des kultischen Vollzugs, die für viele längst ihre Bedeutung verloren haben. Dabei zieht er die verschiedensten sprachlichen Register von kristallklarer bis hin zur expressiven Prosa. Auf diesem Weg führen seine Beobachtungen und Meditationen in eine energetische Erfahrung der »Leere«, die sich auf mystisches Gotteserlebnis zurückbesinnt und landläufige Verständnisroutinen durchbricht. Ergänzend liest Christian Lehnert dazu neue Gedichte. Im Anschluß wird er mit Heinrich Detering über das Verhältnis von Poesie und Religion sprechen.

Christian Lehnert, 1969 in Dresden geboren, ist Dichter und Theologe. Von 2008 bis 2012 war er Studienleiter für Theologie und Kultur an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg. Zurzeit leitet er das Liturgiewissen-schaftliche Institut an der Universität Leipzig. Bisher veröffentlichte er sieben Gedichtbücher und einen Essay über Paulus und schrieb Libretti u.a. für Hans Werner Henze. 2012 erhielt Lehnert den Hölty-Preis für sein lyrisches Gesamtwerk, 2016 den Eichendorff-Literaturpreis und die Ehren-doktorwürde der Theologischen Hochschule Augustana. Seit 2014 ist er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur.

Weiterhin findet am Freitag, 17. Februar 2017 von 15.00 bis 17.30 Uhr, ebenfalls im Plenarsaal, das Symposium ›Biodiversität: Herausforderung und Chance für Politik und Gesellschaft‹ aus der Reihe ›Zukunftsfragen der Gesellschaft‹ statt.

Die biologische Vielfalt umfasst Gene, Populationen, Arten und Ökosysteme. Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt gelten als wichtige Grundlagen für das menschliche Wohlergehen. Zerstörung und Degradierung von Lebensräumen, Ausbeutung biologischer Ressourcen, Umweltverschmutzung und Klimawandel reduzieren die Artenvielfalt. Unsere Kenntnisse über die Folgen dieser Einwirkungen sind unzulänglich, da die Arten bisher kaum erfasst worden sind. Biodiversitätsveränderungen müssen jedoch erkannt werden, um die Folgen des Verlustes der Vielfalt für das Wohlergehen des Menschen einzuschätzen. Was muss und kann die Gesellschaft tun, um die biologische Vielfalt zu erhalten?

Das Symposium thematisiert die Messbarkeit von Biodiversität und deren Zusammenhang mit dem Klimawandel sowie die Auswirkungen des Biodiversitätsverlusts auf den Menschen und seine Umwelt und stellt verschiedene Felder des Forschungsbedarfs ins Zentrum.

Außerdem werden die folgenden öffentlichen Vorträge zu hören sein: am 17. Februar um 9:15 Uhr spricht die Schriftstellerin Marion Poschmann über das Werk von Catharina Regina von Greiffenberg. Ihr Vortrag trägt den Titel ›Du ungeseh’ner Blitz. Zur Dichtung Catharina Regina von Greiffenbergs‹.

Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694) gilt als bedeutendste Dichterin des deutschsprachigen Barocks. Ihre Sprachgewalt ist außerordentlich, ihre Metaphern sind neu, ihre Bilder kühn. Sie findet für die Themen der protestantischen Mystik einen gesteigerten, gleichzeitig lichten Ton, aller Regelpoetik zum Trotz. Es ist eine zärtliche, eine bewegliche Sprache, eine Sprache der Verzückung. Zwar ist ihr Werk in einen zeitbedingten Kontext der Andachtsliteratur eingebettet, doch mutet es in mancher Hinsicht überraschend modern an. Neben einem genaueren Blick auf Greiffenbergs poetische Verfahrensweisen soll in diesem Vortrag auch die Frage gestellt werden, welche Anregungen von diesem Werk der literarischen Tradition für die Dichtung der Gegenwart ausgehen könnten.

Am Folgetag, Samstag, den 18. Februar um 9:15 Uhr spricht der Altorientalist Daniel Schwemer über ›Der kontraintuitive König. Zum babylonisch-assyrischen ‚Badehaus‘-Ritual‹.

Die babylonisch-assyrische ›Beschwörungskunst‹ oder ›Magie‹ (akkadischaschiputu) kannte eine Vielfalt von Heilvorschriften und Zeremonien, darunter zahlreiche defensive Rituale zur Lösung von Übel und zur Reinigung des Patienten, aber auch Rituale aggressiver Natur. Die Abwehrrituale konnten sich etwa gegen Dämonen, Götterzorn, Behexung, Feinde, den Fluch als Folge eines Tabubruchs, Geister oder böse Vorzeichen aller Art richten. Diese ›Quellen des Bösen‹ waren als Verursacher schlimmer, unerwarteter und undurchschaubarer Krankheiten und Leiden wohlbekannt. Die Rituale der aschiputu dienten der Bekämpfung des Bösen und der Heilung des von ihm verursachten Leidens. Sie boten für den Ritualklienten und sein Umfeld zugleich ein Forum, um die Differenz zwischen dem Erwartungshorizont und dem unverhofft eingetretenen Unglück zu artikulieren. So hatte auch das traditionsreiche, in der Regel für den König durchgeführte Badehaus-Ritual (bit rimki) die Funktion, die Defizienz der Wirklichkeit zu bewältigen. Entgegen üblicher Annahme stellt es aber nicht einfach ein unspezifisches Reinigungsritual dar, das durchzuführen war, wenn böse Vorzeichen Gefahr für den König anzeigten. Vielmehr besitzt das Badehaus-Ritual einen klaren thematischen Fokus: den verhassten, verunglimpften, von Schadenzauber und Feinden bedrohten König, der selbst Schuld auf sich geladen hat. Das Ritual zeigt damit ein Bild des Herrschers, das dem von Monumentalarchitektur und Königsinschriften geprägten Erwartungs-horizont der mesopotamischen Königsideologie nicht entsprach: den kontraintuitiven König.

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