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Inschriften zwischen Realität und Fiktion. Vom Umgang mit vergangenen Formen und Ideen

Datum: 05.05.2010 bis 08.05.2010

12. Internationale Fachtagung für mittelalterliche und neuzeitliche Epigraphik

Der Verbund der Akademien der Wissenschaften Deutschlands und die Österreichische Akademie der Wissenschaften in Wien haben sich mit der Herausgabe der Reihe „Die Deutschen Inschriften“ das Ziel gesetzt, ein höchst wichtiges und doch oft nur mit Mühe greifbares Medium des kulturellen Erbes in wissenschaftlich fundierter Form zu publizieren. Gegenstand der Dokumentation und Publikation sind die nachrömischen Inschriften bis zum 17. Jahrhundert. Da Inschriften aus fast allen Lebensbereichen stammen können, erfordert ihre Bearbeitung eine breite interdisziplinäre Ausbildung der Editoren in den historischen, philologischen, theologischen und allgemein kulturhistorischen Disziplinen. Der oft prekäre Zustand der Objekte und der besondere Umgang der Zeiten mit den öffentlich zugänglichen Zeugnissen sowie die den Inschriften eigene Textstruktur erfordern großes Wissen um die Bedingungen der Schrift- und Textherstellung. In den vergangenen Jahren hat die epigraphische Forschung eine Palette von Methoden entwickelt, die sich diesen Erfordernissen annähert, aber weitergeführt werden muß. Mit seinen Tagungen möchte das Unternehmen daher auch seiner Verpflichtung, den methodischen und inhaltlichen Fortschritt voranzutreiben, nachkommen.

Die 12. Internationale Fachtagung für Epigraphik wendet sich dem Problem nachgefertigter Inschriften, also Kopien, Restaurierungen, Fälschungen guten Glaubens und mit krimineller Energie, zu, die lange zurückliegende Fakten präsentieren, sich in mehr oder weniger perfekter und täuschender Weise als in der Vergangenheit entstanden zeigen oder vergangene Formensprachen benutzen. Ziel ist es, die Methodenkompetenz der mit Inschriftentexten arbeitenden Fachleute und interessierten Laien zu erweitern. Das soll im Diskurs von technisch ausgewiesenen Fachleuten für ausgewählte Inschriftenträger (Glasmalerei, Wandmalerei, Textilkunst, Stein) und Paläographie, von Editoren und von Wissenschaftlern geschehen, die Inschriften für ihre Forschungen nutzen. Der Ertrag der Tagung wird demnach ein doppelter sein: Sie wird zuverlässigeres Erkennen und Datieren von Nachfertigungen ermöglichen und den Teilnehmern die große Bandbreite des medialen Umgangs mit Inschriften vorführen, indem die Vorträge auch Intentionen der Hersteller bzw. Auftraggeber der jeweiligen Inschriften nachspüren und die Rolle nachgefertigter bzw. retrospektiver Inschriften in Politik, Besitzdokumentation und Repräsentation von Einzelpersonen und Familien entschlüsseln. Beides führt zu neuen Erkenntnissen über das Verhalten von Menschen und ihren Umgang mit Informationen und den zeitgenössischen Mitteln der Kommunikation.