Melanchthon, Philipp

Reformator. Am 16. Februar 1497 als Philipp Schwartzerdt in Bretten geboren, besuchte M. zunächst die Lateinschule in Pforzheim, um sich am 14. Oktober 1509 an der Universität Heidelberg zu immatrikulieren. Am 10. Juni 1511 wurde er zum Baccalaureus Artium im Rahmen der via antiqua promoviert. Am 17. September 1512 in Tübingen immatrikuliert, verband ihn dort bald eine innige Freundschaft mit Ambrosius Blarer. Am 25. Januar 1514 wurde M. zum Magister innerhalb der via moderna promoviert. Der Nominalismus sollte seine philosophische Grundüberzeugung zeit Lebens bleiben. In Tübingen betrieb er intensive humanistische Studien zusammen mit seinem älteren Freund Oekolampad und erhielt das höchste Lob von Erasmus für seine Terenz-Edition. Auf Empfehlung seines Förderers Reuchlin wurde M. von Kurfürst Friedrich von Sachsen 1519 auf den neugestifteten Lehrstuhl für Griechisch an der Universität Wittenberg berufen. Am 28. August 1519 hielt der neue Professor seine Antrittsrede De corrigendis adulescentiae studiis. Am 19. September 1519 wurde M. zum Baccalaureus biblicus promoviert. Von August bis Dezember 1521 veröffentlichte der Systematiker der Wittenberger Reformation seine Loci communes rerum theologicarum seu hypotyposes theologicae, ein Werk das Epoche machen sollte und noch zwei weitere umgearbeitete Editionen erlebte. M. hatte während des WS 1523/24 und im SS 1538 das Rektorat der Universität Wittenberg inne und war während des WS 1536/37 und vom 18.10.1546–18.10.1548 Dekan der Artistenfakultät, die er zeit Lebens nicht verließ. Er weigerte sich, Mitglied der theologischen Fakultät zu werden und bestieg niemals eine Kanzel. Ab Juli 1527 nahm M. teil an der flächendeckenden Visitation Thüringens und verfasste für diesen Zweck im März 1528 den „Unterricht der Visitatoren“. 1529 nahm er teil am Reichstag in Speyer. Auf dem Reichstag in Augsburg ist er 1530 als theologischer Führer der reformatorischen Stände zu finden. Die von ihm verfasste Confessio Augustana wurde am 26. Juni 1530 in Abwesenheit des Autors vor dem Kaiser vorgelesen. Vom 16.–28. August 1530 nahm M. an den Verhandlungen mit der altgläubigen Seite teil, die an der Ablehnung der bischöflichen Jurisdiktion von reformatorischer Seite und der uneinheitlichen altgläubigen Position die Frage nach Laienkelch, Messkanon, Privatmessen und Zölibat betreffend scheiterten. Auf die theologische Entgegnung auf die CA, die Confutatio, die ihm bis zum 22.10. nur aus Nachschriften der Verlesung am 3. August vorlag, verfasste M. die Apologie der Augsburger Konfession, die zusammen mit der CA im Mai 1531 in den Druck ging. Als theologische Verantwortung der reformatorischen Seite wurde sie indes nicht vom Kaiser angenommen. Als wichtigster theologischer Berater des Schmalkaldischen Bundes verfasste M. vom 12.–17. Februar 1537 den Tractatus de potestate et primatu papae als Zusatz zur CA. Damit verhinderte er, dass die Schmalkaldischen Artikel Luthers als neue Bekenntnisgrundlage des Schmalkaldener Bundes approbiert wurden, erschien ihm doch die in diesem Bekenntnis enthaltene Abendmahlslehre als ungeeignet, auch für die neu beigetretenen oberdeutschen Städte als Bekenntnisgrundlage zu dienen. Aus denselben Intentionen heraus veröffentlichte M. im Oktober 1540 die Confessio Augustana variata, die vor allem im Abendmahlsartikel eine offenere Formulierung enthielt als die Confessio Augustana invariata. 1540/41 nahm M. an den Religionsgesprächen in Hagenau, Worms und Regensburg teil, die an der Weigerung der reformatorischen Theologen, die Transsubstantiationslehre anzuerkennen, scheiterten. Als die Universität Wittenberg infolge der Invasion des Herzogs Moritz am 6. November 1546 geschlossen wurde, sah sich auch M. dazu gezwungen, die Stadt zu verlassen. Am 25. Juli 1547 wieder nach Wittenberg zurückgekehrt, nahm er am 24. Oktober die Vorlesungen erneut auf. Das 1548 vom Kaiser initiierte Augsburger Interim lehnte M. vor allem wegen der darin enthaltenen Rechtfertigungslehre ab. Er beteiligte sich an der Erstellung einer Vorlage für den Leipziger Landtag und plädierte für Zugeständnisse bei den Adiaphora bei gleichzeitiger Beibehaltung der reinen Lehre. Gegen diese Haltung des Wittenberger Reformators entstand in Magdeburg unter der Führung des Melanchthon-Schülers Matthias Flacius Illyricus eine Gruppe von Theologen, die den Grundsatz Nihil est adiaphoron in casu confessionis et scandali vertraten und die Wittenberger Fakultät literarisch heftig bekämpften. Nachdem 1552 mit dem Passauer Vertrag das Interim hinfällig geworden war, bekannte sich M. 1556 dazu, in dieser Frage einen kirchenpolitischen, jedoch keinen theologischen Fehler gemacht zu haben. Das Wormser Religionsgespräch von 1557 dokumentierte die theologische Auseinanderentwicklung der Lutheraner, die sich auch in mehreren nachinterimistischen Streitigkeiten zeigte. Im Mai 1551 verfasste M. die Confessio Saxonica, als die Teilnahme der Protestanten am tridentinischen Konzil in Aussicht stand. Ein Jahr vor seinem Tod publizierte M. 1559 mit den Responsiones ad articulos Bavaricae inquisitionis sein theologisches Testament. Am 19. April 1560 starb M. und wurde in der Schlosskirche in Wittenberg beigesetzt. 

TRE 22, 371–410