Spangenberg, Cyriakus
geb. 7.6.1528 in Nordhausen, gest. 10.2.1604 in Straßburg, luth. Theologe und Historiker
Sp. wurde als erster Sohn von Johann Spangenberg geboren, wurde bei seinem Vater und an der Nordhäuser Lateinschule unterrichtet und schon mit nicht ganz 14 Jahren am 2.2.1542 in Wittenberg immatrikuliert. Als die Universität wegen des Schmalkaldischen Kriegs schloss, erhielt Sp. in Eisleben eine Anstellung an der Lateinschule, nahm anschließend aber sein Studium wieder auf. Am 11.2.1550 legte er das Magisterexamen ab. Neben der Theologie widmete er sich der Historiographie. Nach dem Tod seines Vaters im Juni desselben Jahres erhielt er eine Predigerstelle an der Andreaskirche in Eisleben, die er aber aufgeben musste, weil er als Gegner des Interims während der Belagerung zum Gebet für die Christen in Magdeburg aufgerufen hatte. Nach Ende der Belagerung wurde er in sein Amt wieder eingesetzt und dann als Nachfolger Johannes Wigands neben Michael Coelius zum Stadt- und Schlossprediger in Mansfeld berufen. Nach Coelius’ Tod 1559 wurde Sp. Generaldekan der Grafschaft und Beisitzer im Eislebener Konsistorium. Schon in den Streitigkeiten der fünfziger Jahre hatten die Mansfelder Pastoren unter Erasmus Sarcerius eine gnesiolutherische Haltung vertreten, 1554 gegen Georg Major, den Nachfolger Johann Spangenbergs in Eisleben, votiert, 1556 auf der Synode von Eisenach gegen Justus Menius mit Victorin Strigel gestimmt und 1559 auf der Synode in Eisleben das Bekenntnis zum Luthertum bekräftigt. Auf diese Haltung hatte Sp. wachsenden Einfluss gewonnnen, den er im neuen Amt fortsetzen und intensivieren konnte: Die Mansfelder Theologen wurden die wichtigsten Unterstützer von Flacius. In den sechziger Jahren veröffentlichte Sp. eine Reihe von antikatholischen Kampfschriften, etwa gegen Friedrich Staphylus, Stanislaw Hosius und Jasper von Gennep („Teufels Karnöffelspiel“), umfangreiche Predigtreihen unter anderem über Luthers Leben, geistliche Lieder und Psalmen sowie moralisierende Schriften wie den „Jagdteufel“. Berufungen nach Magdeburg, Nordhausen und Lübeck folgte er nicht, doch beteiligte er sich 1566/67 am Aufbau der lutherischen Gemeinde in Antwerpen, wo er mit Matthias Flacius zusammenarbeitete. Nachdem Flacius seine Lehre von der Erbsünde als der Substanz des Menschen in seinem Traktat „De peccati originalis essentia“ 1567 wiederholt und anschließend trotz Kritik daran festgehalten hatte, geriet Sp. als Anhänger Flacius’ auch in die Kritik, als er 1570 versuchte, Flacius zu verteidigen. Anfangs konnte Sp. noch die Unterstützung der Mansfelder Geistlichen für seine Haltung gewinnen, doch nach Angriffen von Wigand spaltete sich die Pfarrerschaft: Während Christoph Irenäus und Wilhelm Sarcerius sich für Flacius und Sp. aussprachen, traten ihm Hieronymus Menzel und die Mehrheit der Mansfelder entgegen. Eine Disputation mit Flacius auf Schloss Mansfeld vertiefte die Spaltung noch, zumal auch die Grafen unterschiedliche Auffassungen vertraten und die Anhänger der Gegenseite in ihren jeweiligen Gebieten ihrer Ämter enthoben. Graf Volrad unterstützte Sp. und Flacius und stellte ihnen auch eine Druckerei zur Verfügung, während Graf Hans Georg die Eislebener unterstützte. Es entstand eine Flut von Streitschriften, woran Sp. erheblichen Anteil hatte. Der Streit wurde auch auf den Kanzeln ausgetragen und erfasste die gesamte Bevölkerung der Grafschaft. Schließlich eskalierte die Situation soweit, dass Sp. zweimal (1574/75) mit Waffengewalt aus der Stadt vertrieben wurde. Sp. flüchtete nach Sangershausen, wo er bis 1578 blieb und historische sowie weitere polemische Schriften verfasste. Nach einer Disputation mit Jakob Andreä wurden Sp. und sein Gönner Volrad aus Sangershausen vertrieben. Er nahm erstmals Asyl in Straßburg, bemühte sich aber um Rückkehr nach Thüringen. Erst 1581 erhielt er die Pfarrstelle in Schlitz/Oberhessen, wo er bis 1590 bleiben konnte. Anschließend lebte er einige Jahre in Vacha an der Werra, ohne ein Amt auszuüben. Ein Neffe Volrads, Graf Ernst von Mansfeld, ermöglichte ihm, 1595 nach Straßburg zurückzukehren, wo er bis zum Lebensende an seinen historischen Forschungen weiterarbeitete, ohne seine Position in der Erbsündenfrage aufzugeben. Neben der schon erwähnten polemischen Literatur und zahlreichen Predigten, exegetischen und erbaulichen Schriften, Liedern und geistlichen Dramen hat Sp. vor allem historische Werke verfasst. Seine Chroniken verschiedener Regionen und Herrschaften (Mansfeld, Querfurt, Henneberg, Holstein) und kirchenhistorischen Arbeiten zeigen bei aller zeitgebundenen Neigung zum Anekdotischen durchaus das Bemühen um Quellennähe und urkundliche Absicherung.
ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, LThK
Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 1198,316-373;1253,123;II 1237,323-327,356-363;III 863,418-423,443-451

