Staphylus, Friedrich

PND 118798472

geb. 27.8.1512 in Osnabrück, gest. 5.3.1564 in Ingolstadt, luth., dann kath. Theologe

Geb. in Osnabrück als Sohn eines bischöfliche Amtmannes, wuchs St. nach dem frühen Tod seiner Eltern bei Verwandten seiner Mutter in Danzig und später Kowno und Wilna auf, wo er Russisch und Litauisch lernte. Er studierte an der Jagiellonen-Universität in Krakau, wo er auch Polnisch lernte und schloss daran 1530 ein Studium der Theologie und Philosophie in Padua an. Um 1533 kehrte er nach Danzig zurück, wandte sich aber 1536 nach Wittenberg, wo er fast zehn Jahre lang studierte und den Magistergrad erwarb. Mit Empfehlungen Philipp Melanchthons und Johannes Bugenhagens trat er 1546 die Stelle als Professor für Theologie an der Albertina in Königsberg an, die durch den Tod Johannes Rapagelans vakant war. Hier kam es schnell zu einem scharfen Konflikt mit Wilhelm Gnapheus, den St. schwärmerischer und täuferischer Sympathien beschuldigte und dessen Verurteilung und Ausweisung er 1547 erreichte. Im Herbst 1548 gab St. seine Vorlesungen auf, blieb aber als herzoglicher Rat in Königsberg. Nach den ersten Vorlesungen Andreas Osianders in Königsberg verließ St. wegen einer Seuche die Stadt und reiste nach Breslau, wo er sich mit Anna, der Tochter des Reformators Johannes Heß, verheiratete und eine Tätigkeit dort anbahnte. Im Herbst 1550 kehrte er nach Königsberg zurück und trat sofort in den Osiandrischen Streit ein. Seine Gegenposition war so kompromisslos, dass die Vermittlungsversuche Joachim Mörlins scheiterten. Da der Herzog auf Seiten Osianders stand, verließ St. 1551 Königsberg und ging nach Danzig. Dort veröffentlichte er eine lange Schrift gegen Osiander, in der er dessen Irrlehre durch Berufung auf den „Synodus Sanctorum Patrum“ zu erweisen suchte. Darin deutete sich im Rekurs auf die kirchliche Autorität schon seine Abwendung von der Reformation an. Er kehrte nach Breslau zurück und vollzog 1553 die „Rückkehr zur Kirche“, die ihm durch Kardinal Hosius mit einem Geldbetrag erleichtert wurde. In Diensten des Breslauer Bischofs Promnitz errichtete er in Neiße eine Schule, edierte lateinische Schriften und nahm Kontakt zu Petrus Canisius auf. Als einer der katholischen Vertreter nahm er am Wormser Kolloquium 1557 teil und verstand es anschließend, die Zerstrittenheit der Protestanten untereinander in zahlreichen polemischen Schriften auszuschlachten. Die Hauptschrift „Theologiae Lutheri trimembris epitome“ 1558 rief zahlreiche Entgegnungen von Melanchthon, Andreas Musculus, Jakob Andreä, aber auch Petrus Dathenus hervor. Seit 1555 Rat Ferdinands, wurde St. 1558 auch Rat Albrechts V. von Bayern. 1559 wurde er (mit päpstlicher Dispens wegen seiner Ehe) zum Doctor Theologiae in Augsburg promoviert und als Professor nach Ingolstadt berufen. Er wirkte als Superintendent an der Reform der Universität zur jesuitischen Akademie mit und beriet die Bemühungen Ferdinands zur kirchlichen Reform in seinen Landen. Zum Wiederzusammentreten des Tridentinums 1561 verfasste er auf Wunsch Ferdinands einen „Ratschlag an Pius IV“, worin er neben Bemühungen um die Reform auch für die Rückgewinnung der Lutheraner warb. Einer Teilnahme am Konzil entzog er sich, sofern nicht die Protestanten auch daran teilnähmen. Vom Papst mit Geschenken versehen und vom Kaiser geadelt, starb St. 1564.

ADB, RE, RGG3, RGG4, TRE, LThK

Polskie Archiwum Biograficzne (PAB): II 462,137-139; II 351,20-22

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 1211,367-371,391-403;II 1250,325-341;III 874,353-355

Baltisches Biographisches Archiv (BaBA): I 349,5